• Matthias Brandt © Jan Düffelsiek

  • Dorothee Oberlinger © Johannes Ritter

  • Andreas Scholl © Marco Borggreve

Digitales Programmheft · 2026

Globe Baroque

Globe Baroque

Traumstoff

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Einführung

HOFFMANNS SHAKESPEARE

Kommt ein Fremder in den Gasthof »Rautenkranz« in R. gestürzt, ordert schleunigst Austern und Champagner und macht, zwischendurch beides gierig einschlürfend, in wilden Wortkaskaden einer tödlichen Verzweiflung Luft: »Ja, es ist aus«, hört man ihn murmeln und nach der nächsten Auster wehmütig sprechen: »Aufgeben will ich alles – alles – mich selbst. – Der ew’gen Sonne geb’ ich die Atome wieder, die sich zu Lust und Schmerz in mir gefügt. – Ach! und doch so süß, so süß zu träumen – Wenn dieser Traum nicht wäre – das ist die Rücksicht, die Elend lässt zu hohen Jahren kommen!« Dann wieder auffahrend sich an die Stirne schlagen, dass es klatscht, und empört ausrufen: »Bin ich ’ne Memme? Wer nennt mich Schelm? Bricht mir den Kopf entzwei? Rauft mir den Bart und wirft ihn mir ins Antlitz? Zwickt an der Nase mich und straft mich Lügen tief in den Hals hinein? Wer tut mir dies?« Der mitfühlende Gast, der ihm hilfsbereit zur Seite springt, forscht nach der Quelle solch namenlosen Unglücks und erfährt: Der Unglückliche sei der Direktor der hiesigen Schaubühne! Jetzt wird ihm alles klar, war (und ist) er doch selbst Direktor einer reisenden Schauspieltruppe … und schon sind die beiden mittendrin im Klagen, Lästern, Fachsimpeln, Philosophieren und Schwadronieren über das Theater, wie es ist und wie es sein sollte …

Das Publikum, das »tausendköpfige, bizarre, chamäleontische Ungeheuer«, trägt natürlich auch bei zu den Seltsamen Leiden eines Theaterdirektors, die E.T.A. Hoffmann nur zu gut nachzufühlen weiß: War er doch selbst nicht nur ein leidenschaftlicher Theaterliebhaber, sondern ein waschechter Theatermann – was man über seinem erzählerischen Ruhm leicht vergisst und woran einen dieser Text in seiner frappierenden Detailfülle eindrucksvoll erinnert. Dass der leidgeprüfte Theaterdirektor seinen furiosen Auftritt hauptsächlich mit Hamlet-Zitaten bestreitet, scheint dessen Kollegen zu entgehen, obwohl er alsbald selbst den »Heiligen Shakespeare« anruft. Der Auftakt ist Programm: Shakespeare erweist sich nämlich als das eigentliche Kraftzentrum des Textes, der Nährboden, aus dem die konstruktivsten Gedanken sprießen. Dramaturgie, Figurenanlage, Besetzung, Inszenierung, Spielweise, grundlegende ästhetische ebenso wie handfeste praktische Fragen werden immer wieder anhand konkreter Beispiele aus Shakespeares Theater diskutiert. Warum Shakespeares Stücke auf dem zeitgenössischen Theater trotzdem oft nur bedingt zur Wirkung kamen und was das Publikum statt dessen lieber sah, erfährt man übrigens auch.

Hoffmanns großer Theater-Dialog ist aber sozusagen bloß die Spitze des Eisbergs: Zitate und Anspielungen auf Shakespeare’sche Stücke und Gestalten sind im fantastischen Welt-Theater seines erzählerischen Werks omnipräsent. »Kein Dichter«, so Hoffmanns Überzeugung, »hat jemals die menschliche Natur so in ihrer Tiefe erkannt und darzustellen gewusst als Shakespeare, deshalb gehören seine Charaktere der Welt an und dauern fort, solange noch Menschen in der Zeit existieren. Als laute Verkündiger des eigentlichen Humors, der das Komische und Tragische selbst ist, hat er seine Narren aufgestellt. Dann aber tragen seine Helden wohl alle das Gepräge jener Ironie, die sich oft in den höchsten Momenten witzig fantasierend ausspricht, so wie seine komischen Charaktere eben wieder auf tragischen Grund basiert sind.« Humor, wie Hoffmann ihn versteht, ist halt nicht Possenreißerei, sondern Weltanschauung. Zu seinen liebsten Shakespeare-Gestalten zählt definitiv jener Jacques, der selbst kein Narr ist, aber gerne einer wäre, um mit Narrenfreiheit der Welt den Spiegel vorzuhalten, und der in Wie es euch gefällt die vielzitierten Worte spricht: »Die ganze Welt ist Bühne/ Und alle Fraun und Männer bloße Spieler«. In seiner Erzählung von den Neuesten Schicksalen des Hundes Berganza lässt Hoffmann den berühmten Monolog ausgiebig zitieren, der hochgebildete sprechende Hund erkennt seinen Shakespeare natürlich sofort. Mit Jacques ironischem Zuschauerblick auf die verrückte Welt kann Hoffmann sich identifizieren: So sehr, dass er den exzentrischen Kapellmeister Kreisler, der als eine Art Alter Ego durch seine Schriften irrlichtert, im Kater-Murr-Roman ganz explizit als Geistesverwandten des Shakespeare-Helden outen lässt. Von einem gescheiten Mädchen, das (gegen mütterlichen Rat) auch seinen Shakespeare gelesen hat. Aber sogar der schriftstellernde Kater Murr hat ja seinen Shakespeare gelesen und wird von Hoffmann als dem »Herausgeber« seiner Autobiografie genüsslich des Plagiats überführt. Nicht zu übersehen sind bei Hoffmann auch die Zauberer, Magier und Illusionskünstler in der Nachfolge des Prospero aus Shakespeares Sturm, die oft im Hintergrund die Fäden spinnen, in die die anderen Gestalten sich verwickeln; wobei sich auch der größte Zauberer am Ende nicht selbst bezaubern kann.

Wenn Hoffmann Shakespeare zitiert, dann aus den später selbst zum »Klassiker« avancierten Übersetzungen von August Wilhelm Schlegel, die ab 1797 im Druck erschienen. Im Original hat er Shakespeare wohl nicht gelesen, das konnten damals die wenigsten in Deutschland. Wohl waren Shakespeare-Stücke schon früh durch wandernde englische Theatertruppen auch in den deutschen Sprachraum gelangt und wurden dort in fantasievollen, dem Zeitgeist, Publikumsgeschmack und den Ressourcen der Ensembles angepassten Bearbeitungen gespielt. Jeder machte sich seine eigene Spielfassung zurecht oder entwickelte eine vorhandene kreativ-pragmatisch weiter. Aber die eigentlichen Qualitäten von Shakespeares Texten wurden deutschen Dichtern, Denkern und Theatermachern erst durch die Pionierarbeit der Übersetzer offenbar, die sich auf der Basis englischer Editionen allmählich durch das Gesamtwerk arbeiteten, allen voran Christoph Martin Wieland, der bis 1766 insgesamt 22 Dramen ins Deutsche übertrug. Jetzt konnte man die Stücke auch lesen, wenigstens erst einmal in Prosa, und begann zu ahnen, mit was für einem Giganten man es zu tun hatte. Seither schlug die Shakespeare-Begeisterung hohe Wogen in der deutschen literarischen Welt, von Herder über den jungen Goethe bis in die aufstrebende Romantiker-Generation, und worüber man so viel sprach, das wollte man auch im Theater sehen. Als 1776 Franz Hieronymus Brockmann erstmals als Hamlet auf der Bühne stand, war das nicht nur die Geburt eines neuen Superstars, sondern die Initialzündung für einen Shakespeare-Boom. Moses Mendelssohn sah durch seine Auftritte in Berlin eine wahre »Hamletomanie ausbrechen«, sogar die Dienstboten redeten davon.

Der 1776 geborene Hoffmann machte mit Shakespeares zuerst als lesender Teenager über den Bücherschrank seines Onkels Bekanntschaft und konnte nie mehr von ihm lassen. Die Lektüre brachte seine Fantasie auf Touren; die Inszenierungen, die er sah, blieben hinter der intensiven Leseerfahrung meist weit zurück. Bis er dann in Berlin mit dem begnadeten Schauspieler und führenden deutschen Shakespeare-Darsteller Ludwig Devrient Freundschaft schloss, der als Shylock, Falstaff, Lear oder Mercutio brillierte. Rollen, die man ihm nicht gab, wie Jago und Richard III., pflegte er in seinem und Hoffmanns Stammlokal Lutter & Wegner den begeisterten Mitzechern hingebungsvoll vorzuspielen. Devrient wurde für Hoffmann zum Inbegriff dessen, was ein Schauspieler in der Verkörperung seiner Rolle leisten und bewirken kann: Wie Devrient, wenn er Shakespeare spielt – so muss Theater sein!

Im Theater der Shakespeare-Zeit waren Musik, Gesang und Tanz selbstverständlich Bestandteil der Aufführung, Lieder wie »When that I was a tiny little boy« aus Was ihr wollt oder Ariels Gesänge aus dem Sturm sind berühmt geworden. Als Komponist hat Hoffmann selbst zahlreiche Bühnenmusiken geschrieben, aber die tiefe Affinität zu Musik und Klang, die ihn mit Shakespeare verbindet, geht über die eigentliche Bühnenmusik weit hinaus. Beide werden sie nicht müde, eine ganze tönende Welt voller Stimmen, Klänge und Geräusche in Worten zu beschwören, aus der organisch eine Musik hervorwächst, die unerschöpflich neue Daseins- und Erlebensdimensionen aufzuschließen vermag. Der Stoff, aus dem die Träume sind …

Babette Hesse

DER INNERE SCHAUPLATZ oder: GELOBT SEI, DER DEN TRAUM ERFAND!

(E.T.A. Hoffmann, Prinzessin Brambilla, aus dem 4. Kapitel)

Es darf dir, vielgeliebter Leser, nicht befremdlich erscheinen, wenn in einem Ding, das sich zwar Capriccio nennt, das aber einem Märchen so auf ein Haar gleicht, als sei es selbst eins, viel vorkommt von seltsamem Spuk, von träumerischem Wahn, wie ihn der menschliche Geist wohl hegt und pflegt, oder besser, wenn der Schauplatz manchmal in das eigne Innere der auftretenden Gestalten verlegt wird. – Möchte das aber nicht eben der rechte Schauplatz sein? – Vielleicht bist du, o mein Leser! auch so wie ich, des Sinnes, dass der menschliche Geist selbst das wunderbarste Märchen ist, das es nur geben kann. – Welch eine herrliche Welt liegt in unserer Brust verschlossen! Kein Sonnenkreis engt sie ein, der ganzen sichtbaren Schöpfung unerforschlichen Reichtum überwiegen ihre Schätze! – Wie so tot, so bettelarm, so maulwurfsblind wär’ unser Leben, hätte der Weltgeist uns Söldlinge der Natur nicht ausgestattet mit jener unversieglichen Diamantgrube in unserm Innern, aus der uns in Schimmer und Glanz das wunderbare Reich aufstrahlt, das unser Eigentum geworden! Hochbegabt die, die sich dieses Eigentums recht bewusst! Noch hochbegabter und selig zu preisen die, die ihres innern Perus Edelsteine nicht allein zu erschauen, sondern auch herauf zu bringen, zu schleifen und ihnen prächtigeres Feuer zu entlocken verstehen. – Nun! – Sancho [Panza in Cervantes’ Don Quijote] meinte, Gott solle den ehren, der den Schlaf erfunden, es müsse ein gescheuter Kerl gewesen sein; noch mehr mag aber wohl der geehrt werden, der den Traum erfand. Nicht den Traum, der aus unserm Innern nur dann aufsteigt, wenn wir unter des Schlafes weicher Decke liegen – nein! – den Traum, den wir durch das ganze Leben fort träumen, der oft die drückende Last des Irdischen auf seine Schwingen nimmt, von dem jeder bittre Schmerz, jede trostlose Klage getäuschter Hoffnung verstummt, da er selbst, Strahl des Himmels in unserer Brust entglommen, mit der unendlichen Sehnsucht die Erfüllung verheißt.

Hintergrund

Hintergründe zum Konzert

Festival-Quiz

Frage 1

Was trug die modebewusste Berlinerin zur Zeit der ersten Shakespeare-Welle im 18. Jahrhundert?

Frage 2

Wie heißt der besonders musikalische Narr, der in Was ihr wollt unter anderem das Lied »When that I was and a tiny little boy« singt?

Programm

William ShakespearE (1564–1616): Sonette & Monologe

Eine Wort-Musik-Collage

Wie ein unvollkommner Spieler – Sonett Nr. 23

Hab keine Angst. Die Insel ist voll Klang – Caliban aus: Der Sturm

Henry Purcell (1659–1695)
Music for a while
A new Ground in e

Der Du Musik bist, hörst Musik voll Trauer? – Sonett Nr. 8 /
John Dowland (1563–1626): As I went to Walsingham

John Dowland: Time stands still

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Flötensonate BWV 1034, 3. Satz: Andante

Am besten sieht mein Auge tief verdunkelt – Sonett Nr. 43

Robert Johnson (1583–1633): Have you seen but a whyte Lilie grow

Imogene Holst (1907–1984): The Fall of the Leaf, 2. Satz: Vivace

Als ich ein Bub war, ganz klein und noch dumm – Narr aus: Was ihr wollt /
Anonym (16. Jh.): When that I was and a tiny little boy (Shakespeare Song from: Twelfth Night)

Traditional: I am a poor wayfaring stranger

Anonym (17. Jh.): A silent Ground: The Black Joack (as it was played in Dublin)
aus: The Division Violin

Die ganze Welt ist Bühne – Jaques aus: Wie es euch gefällt

Leo Brouwer (*1939) oder Dušan Bogdanovich? (*1955): Auszug aus: Tombeau de Purcell

Luciano Berio (1925–2003): Gesti

Mein Lieben ist wie Fieber – Sonett Nr. 147

John Dowland: In darkness let me dwell

Antonio Vivaldi (1678–1741): Die vier Jahreszeiten – Der Herbst (Auszug)

Den späten Herbst kannst Du in mir besehen – Sonett Nr. 73

Antonio Vivaldi: Der Herbst, 2. Satz: Der Schlaf

Adam Krieger (1634–1666): Abendlied. Nun sich der Tag geendet hat

Die Zauber sind vorbei – Prospero aus: Der Sturm

Anonym (16. Jh.): When that I was and a tiny little boy

Gesangs- und Lesetexte

Henry Purcell Music for a while

Music for a while
Shall all your cares beguile.

Wond’ring how your pains were eas’d
And disdaining to be pleas’d
Till Alecto free the dead
From their eternal bands,
Till the snakes drop from her head,
And the whip from out her hands.

Music for a while
Shall all your cares beguile.

Musik für eine Weile
Soll all eure Sorgen betören.

Staunend spürt ihr, wie die Qualen schwinden,
und verschmäht es doch, getröstet zu sein,
bis Alekto [die Furie] selbst die Toten löst
aus ihren ewigen Banden,
bis die Schlangen von ihrem Haupte fallen
und die Geißel ihren Händen entgleitet.

Musik für eine Weile
Soll all eure Sorgen betören.

John Dowland Time stands still

Time stands still with gazing on her face.
Stand still and gaze, for minutes,
hours and years to her give place.
All other things shall change
but she remains the same,
Till heavens changed have their course
and Time hath lost his name.
Cupid doth hover up and down,
blinded with her fair eyes.
And Fortune captive at her feet
contemned and conquered lies.

Whom Fortune, Love, and Time attend on,
Her with my fortunes, love, and time
I honour will alone.
If bloodless Envy say
Duty hath no desert,
Duty replies that Envy knows
herself his faithful heart.
My settled vows and spotless faith
no fortune can remove,
Courage shall show my inward faith,
and faith shall try my love.

Die Zeit verharrt im Schauen ihres Angesichts.
Verharre auch du und schau – denn Minuten, Stunden, Jahre weichen ihr und geben Raum.
Alles andre mag sich wandeln,
sie allein bleibt unverändert,
bis selbst der Himmel seine Bahn verkehrt
und Zeit den eignen Namen verliert.
Amor schwebt auf und nieder,
geblendet von der Klarheit ihrer Augen;
und Fortuna liegt, gefangen,
zu ihren Füßen – verachtet und bezwungen.

Wem Glück, Liebe und Zeit Gefolge leisten,
die will ich einzig ehren mit meinem Glück,
mit meiner Liebe, mit meiner Zeit.
Spricht blutleerer Neid,
Pflicht verdiene keinen Lohn,
so antwortet Pflicht:
Neid kennt wohl sein treues Herz.
Mein festes Gelübde, unbefleckter Glaube –
kein Schicksal kann sie wanken machen.
Der Mut bezeuge, was im Innern glüht,
und Treue stelle meine Liebe auf die Probe.

Robert Johnson Have you seen but a whyte Lilie grow

Have you seen but a whyte Lilie grow
before rude hands had touch’d it;
Have you mark’d but the fall of the snow
before the Earth hath smucht it.
Have you felt the wool of Beaver,
Or Swansdown ever;
or have smelt of the Bud of the Bryer,
Or the Nard in the fire;
Or have tasted the Bag of the Bee;
O so whyte, O so soft, O so sweet, so sweet,
so sweet is she!

Sahst du je eine weiße Lilie wachsen,
eh rohe Hände sie berührten?
Sahst du je den Schnee sanft fallen,
eh ihn die Erde trübte?
Fühltest du je das Fell des Bibers,
oder Schwanenflaum so zart?
Rochst du je den Duft der Heckenrose
oder Narde, glühend in der Glut?
Kostetest du je den Honigsack der Biene?
O so weiß, o so weich,
o so süß, so süß, so süß ist sie!

Anonym (16. Jh) When that I was and a tiny little boy

When that I was and a little tiny boy,
With hey, ho, the wind and the rain,
A foolish thing was but a toy,
For the rain it raineth every day.

But when I came to man’s estate,
With hey, ho, the wind and the rain,
’Gainst knaves and thieves men shut their gate,
For the rain it raineth every day.

But when I came, alas! to wive,
With hey, ho, the wind and the rain,
By swaggering could I never thrive,
For the rain it raineth every day.

But when I came unto my beds,
With hey, ho, the wind and the rain,
With toss-pots still had drunken heads,
For the rain it raineth every day.

A great while ago the world begun,
With hey, ho, the wind and the rain,
But that’s all one, our play is done,
And we’ll strive to please you every day.

Als ich ein Bub war, ganz klein und noch dumm,
Hei, ho, bei Wind und Regen,
war eine Torheit nur ein Spiel,
denn der Regen regnet jeden Tag.

Doch als ich ins Mannesalter kam,
Hei, ho, bei Wind und Regen,
vor Schurken & Dieben verschloss man das Tor,
denn der Regen regnet jeden Tag.

Doch als ich, ach!, zum Heiraten kam,
Hei, ho, bei Wind und Regen,
durch Prahlen konnte ich niemals gedeihen,
denn der Regen regnet jeden Tag.

Doch als ich zu meinen Betten kam,
Hei, ho, bei Wind und Regen,
hatten die Trunkenbolde noch immer betrunkene Köpfe,
denn der Regen regnet jeden Tag.

Vor langer, langer Zeit begann die Welt,
Hei, ho, bei Wind und Regen,
doch das ist nun einerlei, unser Spiel ist aus,
und wir werden uns bemühen, euch jeden Tag zu erfreuen.

Traditional I am a poor wayfaring stranger

I am a poor wayfaring stranger
I’m travellin’ through this world of woe
Yet there’s no sickness, toil, nor danger
In that bright land to which I go
I’m going there to see my Father
I’m going there, no more to roam
I’m only going over Jordan
I’m only going over home

I know dark clouds will gather ’round me
I know my way is rough and steep
But golden fields lie just before me
Where God’s redeemed shall ever sleep
I’m going home to see my mother
And all my loved ones who’ve gone on
I’m only going over Jordan
I’m only going over home

I am a poor wayfaring stranger
I’m travellin’ through this world of woe
Yet there’s no sickness, toil, nor danger
In that bright land to which I go
I’m going there to see my Father
I’m going there, no more to roam
I’m only going over Jordan
I’m only going over home

Ich bin ein armer Wandersmann,
Reis’ durch diese Welt voll Leid;
Doch gibt’s kein Übel, Pein noch Bann
In jenem Land der Herrlichkeit.
Dorthin ich ziehe, meinen Vater zu schauen,
Dorthin, dass ich nimmermehr wandre allein;
Nur über den Jordan will ich mich trauen,
Nur über den Jordan – heim will ich sein.

Ich weiß, dunkle Wolken werden sich sammeln,
Mein Weg ist steil, mit Mühsal beschwert;
Doch goldne Felder mir werden entflammen,
Wo Gottes Auserwählte ruhen unversehrt.
Heimwärts zieh’ ich, die Mutter zu sehen
Und alle Lieben, die schon vorausgegangen;
Nur über den Jordan will ich gehen,
Nur über den Jordan – heim will ich gelangen.

Ich bin ein armer Wandersmann,
Reis’ durch diese Welt voll Leid;
Doch gibt’s kein Übel, Pein noch Bann
In jenem Land der Herrlichkeit.
Dorthin ich ziehe, meinen Vater zu schauen,
Dorthin, dass ich nimmermehr wandre allein;
Nur über den Jordan will ich mich trauen,
Nur über den Jordan – heim will ich sein.

John Dowland In darkness let me dwell

In darkness let me dwell,
the ground shall sorrow be;
The roof despair to bar
all cheerful light from me;
The walls of marble black
that moistened still shall weep;
My music hellish jarring sounds
to banish friendly sleep.
Thus wedded to my woes,
and bedded to my tomb,
O let me living, living die,
till death do come.

In Dunkelheit lass mich weilen,
der Boden sei voll Trauer;
Das Dach sei voller Gram,
dass mir kein frohes Licht einlasse;
Die Wände aus schwarzem Marmor,
stets feucht, sollen weinen;
Meine Musik sei höllisch, störend,
den freundlichen Schlaf zu verscheuchen.
So vereint mit meinem Leid,
gebettet zu meinem Grab,
O lass mich leben, nur zu sterben,
bis der Tod mich nahm.

Adam Krieger Abendlied

Nun sich der Tag geendet hat,
und keine Sonn’ mehr scheint,
schläfft alles was sich abgematt’
und was zuvor geweint.

Du Schöne, bist in Schlaff gebracht,
und liegst in stiller Ruh!
Ich aber geh’ die ganze Nacht,
und thu kein Auge zu.

Erhöre doch den Seuffzer-Wind,
der durch die Fenster geht,
der sagt dir, wie du mich entzündt,
und wie es mit mir steht.

In dessen habe Gute Nacht,
du meine Lust und Pein!
Und wenn du Morgen auffgewacht,
so lass mich bey dir seyn.

Anonym (16. Jh) When that I was and a tiny little boy … siehe oben

Ausführende

Matthias Brandt

Sprecher

Matthias Brandt ist Schauspieler, Sprecher und Autor. Er hat viele Jahre an verschiedenen Theatern verbracht, dann das Theater verlassen und ist inzwischen wieder dort gelandet, wo er angefangen hat: auf der Bühne. Zurzeit spielt er am Berliner Ensemble den Max-Frisch-Monolog Mein Name sei Gantenbein und Becketts Warten auf Godot. Parallel dazu arbeitet er seit Langem für Film und Fernsehen. Ein größeres Publikum kennt ihn als Münchner Kommissar Hanns von Meuffels in der Reihe Polizeiruf 110 und als August Benda in Babylon Berlin. Immer wieder dreht er mit dem Autorenfilmer Christian Petzold, zuletzt für dessen Film Miroirs No. 3. Ab November 2026 wird Matthias Brandt außerdem als Erzähler der zehnteiligen Doku-Serie Die Geschichte der Deutschen zu sehen sein. Für seine Arbeit im Fernsehen wurde Matthias Brandt vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit mehreren Grimme-Preisen, dem Deutschen, Hessischen und Bayerischen Fernsehpreis, der Goldenen Kamera und dem Bambi. Als Sprecher ist Brandt auf Hörbüchern und in Hörspielen zu hören. 2014 erhielt er den Deutschen Hörbuchpreis. Seit vielen Jahren steht er außerdem gemeinsam mit dem Musiker Jens Thomas auf der Bühne; die beiden entwickeln frei improvisierte Wort-Musik-Abende, die sich jeden Abend ein wenig anders anhören. Brandt schreibt auch selbst. Der Erzählband Raumpatrouille versammelt Erinnerungen an seine Kindheit, 2019 folgte der Roman Blackbird. Für sein literarisches und sprachliches Arbeiten wurde er 2024 mit der Carl-Zuckmayer-Medaille und 2025 mit dem Deutschen Sprachpreis ausgezeichnet. Im März 2026 erschien Nein sagen, ein Essay über die Wiederkehr des Rechtsextremismus und das Vermächtnis des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, zu dem auch die Geschichte seiner Eltern gehört.

© Jan Düfelsiek

Impressum

Programmhefttext
Babette Hesse

Programmheftredaktion
Michael Rathmann

Herausgeber & Träger
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